Sie überlegen, mit mir zu arbeiten, und stolpern auf meiner Seite über zwei Welten? Auf der einen Seite Stressforschung, Führungsmodelle, systemisches Coaching. Auf der anderen die Kinesiologie.
Diese Frage höre ich regelmäßig – und ich finde sie berechtigt. Gerade wenn Sie Verantwortung für Ihre Führungskräfte tragen und entscheiden, wem Sie sie anvertrauen, sollten Sie wissen, worauf Sie sich einlassen.
Ich beantworte sie hier so offen, wie ich sie auch im Erstgespräch beantworte.
Die kurze Antwort
Mein Coaching steht auf wissenschaftlicher Grundlage. Vom gemeinsam gesetzten Ziel über das Arbeitsmodell bis zur eigentlichen Veränderungsarbeit folgt der Prozess etablierten psychologischen Konzepten.
Die Kinesiologie ist darin eine Methode unter mehreren – und ich setze sie an einer sehr bestimmten Stelle ein: um innere Widersprüche sichtbar zu machen, die sich im Gespräch allein oft nicht greifen lassen. Ich stelle damit keine Diagnosen. Ich nehme Ihnen damit keine Entscheidung ab. Und ich arbeite nicht mit jedem so.
Warum das so ist, erkläre ich im Folgenden.
Worauf mein Coaching gründet
Mein fachlicher Hintergrund ist die Gesundheitspsychologie (B.A.), dazu kommen rund 15 Jahre Praxis mit Führungskräften und Teams – überwiegend in mittelständischen Unternehmen, öffentlichen Verwaltungen, sozialen Einrichtungen und Verkehrsbetrieben.
Die Modelle, mit denen ich arbeite, kommen aus der Fachliteratur:
- Das transaktionale Stressmodell (Lazarus & Folkman) – Stress entsteht nicht durch die Situation selbst, sondern durch ihre Bewertung. Die Grundlage für fast jede Arbeit am Thema Stress.
- Kognitive Neubewertung (Gross) – die am besten belegte Form der Emotionsregulation.
- Lösungsorientierte Kurzzeitberatung (de Shazer & Berg) – Fragen, die Ressourcen und Ausnahmen sichtbar machen, statt das Problem zu vertiefen.
- Systemisches Coaching – für Rollenkonflikte, Teamdynamiken und Loyalitätsspannungen.
- PERMA und Positive Psychologie (Seligman) – für die Arbeit an Ressourcen, Sinn und Engagement.
- Führungsforschung – transformationale und situative Führung, gesundheitsorientierte Führung.
Welches Modell zum Tragen kommt, hängt davon ab, worum es Ihnen geht. Wer sich Entlastung im Alltag wünscht, braucht einen anderen Rahmen als eine Führungskraft, die eine Rollenveränderung gestalten will.
Wie arbeite ich im Einzelcoaching?
Eine Sitzung dauert etwa zwei Stunden und findet in meiner Praxis oder bei Ihnen vor Ort in einem geschützten Raum statt. Die folgenden Schritte beschreiben, wie ich typischerweise vorgehe – sie sind kein Programm, das ich abarbeite. Was Sie mitbringen, gibt das Tempo und die Richtung vor. Manchmal überspringen wir einen Schritt, manchmal bleiben wir lange an einer Stelle.
Wir klären, worum es geht
Zuerst klären wir, worum es geht und woran wir gemeinsam erkennen werden, dass sich etwas bewegt hat. Dann wähle ich ein passendes Arbeitsmodell und erkläre es Ihnen. Sie sollen nachvollziehen können, in welchem Rahmen wir arbeiten – das ist keine Formsache, sondern macht die Arbeit wirksamer.
Wir suchen den Punkt, an dem es klemmt
Gemeinsam finden wir heraus, wo die eigentliche Belastung sitzt. Wo ist der Punkt, an dem sich etwas bewegen muss, damit sich das Gesamtbild verändert?
Das ist Gesprächsarbeit – und sie überrascht viele, weil der Anlass, mit dem jemand kommt, selten der eigentliche Punkt ist.
Wir schauen, ob Kopf und Bauch zusammenpassen
Hier kommt der Muskeltest ins Spiel, und zwar für eine einzige Frage: Gibt es einen inneren Widerspruch?
Viele Führungskräfte formulieren ihr Ziel völlig klar – und kommen trotzdem nicht in Bewegung. Der Verstand hat sich entschieden, etwas anderes noch nicht. Diese Spannung ist schwer in Worte zu fassen. Sie klingt meist so: „Ich weiß eigentlich, was zu tun wäre. Ich tue es nur nicht."
In der Praxis begegnen mir dabei vier Spielarten:
- Kopf gegen Bauch. Der Verstand hält einen Schritt für vernünftig, bei der Vorstellung wird es eng.
- Was ich zu wollen glaube gegen das, was ich brauche. Bewusste Ziele und unbewusste Bedürfnisse gehen auseinander. Diese Unterscheidung geht auf McClelland, Koestner und Weinberger (1989) zurück.
- Ziel gegen Schutz. Ein Teil will die Veränderung, ein anderer will ein Risiko vermeiden.
- Wert gegen Wert. Zwei Überzeugungen, die beide gültig sind, schließen sich in dieser einen Situation aus – etwa Loyalität zum Team und Loyalität zur Geschäftsführung.
Der Muskeltest gibt an dieser Stelle ein körperliches Signal, das wir gemeinsam anschauen. Passt alles zusammen, arbeiten wir direkt weiter. Zeigt sich ein Widerspruch, wird er zum Thema.
Wichtig: Das Signal sagt nicht, worum es geht. Es zeigt nur, dass hier etwas nicht rund läuft. Alles Weitere klären wir im Gespräch.
Wir grenzen ein und ordnen ein
Über gezielte Fragen finden wir heraus, worauf sich der Widerspruch bezieht. Dann arbeite ich mit Fragen aus der lösungsorientierten Kurzzeitberatung, um ihn biografisch einzuordnen: Wann ist dieses Muster entstanden? Wozu war es damals gut? Und braucht es das heute noch?
Dieser Schritt entlastet – nicht, weil ein Test etwas „gelöst" hätte, sondern weil eine bisher nicht mehr hilfreiche Überzeugung endlich benennbar wird.
Sie schauen anders auf die Situation
Am Ende steht die eigentliche Veränderung: Sie können die Situation neu bewerten. Genau das beschreiben Lazarus als Neubewertung und Gross als kognitive Neubewertung – der bestuntersuchte Wirkmechanismus in der Stressregulation.
Worauf es ankommt: Die Wirkung entsteht in den letzten beiden Schritten. Der Muskeltest öffnet einen Zugang. Er ist nicht die Arbeit selbst.
Was der Muskeltest ist – und was nicht
An dieser Stelle unklar zu bleiben, halte ich für unseriös. Deshalb ganz offen:
Welche Kinesiologie meine ich überhaupt?
Der Begriff ist mehrdeutig. Er bezeichnet die Bewegungswissenschaft, das Kinesio-Taping aus der Physiotherapie, die von Chiropraktikern genutzte Applied Kinesiology und schließlich die spezialisierte oder Energie-Kinesiologie, die aus „Touch for Health" hervorgegangen ist. Wenn ich von Kinesiologie spreche, meine ich Letzteres – und davon ausschließlich den Muskeltest.
Was sagt die Forschung?
Sie ist eindeutig, und ich gebe sie unverkürzt wieder.
Zur Wirksamkeit: Die methodisch stärkste und aktuellste Arbeit ist ein systematischer Review von Cochrane Australia aus dem Jahr 2024, erstellt im Auftrag der australischen Gesundheitsbehörde. Von 1.785 gesichteten Publikationen erfüllte eine einzige randomisierte kontrollierte Studie die Einschlusskriterien – eine kleine Untersuchung an 70 Menschen mit chronischen Rückenschmerzen. Die Evidenz wurde für alle Endpunkte als „sehr unsicher" eingestuft. Zu Stress, Angst und affektiven Störungen fanden die Autoren überhaupt keine Studien.